Der Islam verursacht Krisen, weil er selbst in einer Krise ist. So könnte man den Vortrag von Dr. Michael Blume, den er auf Einladung der CDU Bodenseekreis im Haus der Kirchlichen Dienste in Friedrichshafen vor zahlreichen Zuhörern gehalten hat, zusammenfassen.
Der Referent des Abends ist Religionswissenschaftler und seit 2003 im Staatsministerium in Stuttgart für Fragen des Dialogs zwischen den Religionen zuständig. 2015 war er unter persönlichem Einsatz vor Ort verantwortlich für die Ausreise von über 1000 Frauen und Kindern aus dem Nordirak, deren Männer beziehungsweise Väter vom „Islamischen Staat“ ermordet worden sind.
Der Vortrag hat sachlich und lebendig sowie differenziert und doch mit klaren Ergebnis nachgezeichnet, welche Veränderungen sich in der islamischen Welt seit der Machtübernahme durch die Ajatollahs im Iran Anfang 1979 vollzogen haben und auf welche tieferliegenden Ursachen der politisch gewordene Islam sich zurückführen lasse.
Zu diesen Ursachen zählen vor allem die traditionell mangelnde Bildung, zu viel Geld (Einnahmen aus dem Ölexport) in den Händen kleiner Führungsschichten, sowie die Bereitschaft, Verschwörungsmythen zu übernehmen, die sich seit einiger Zeit durch das Internet besonders leicht verbreiten lassen. Eine Reihe problematischer Entwicklungen im Islam der letzten 40 Jahre habe es vergleichbar auch in der europäischen Kirchengeschichte zum 30jährigen Krieg gegeben.
Dr. Blume beschrieb zugleich die dementsprechend nur teilweise gelungene Integration der Muslime in Deutschland, die besonders durch die neuere Entwicklung in der Türkei, die großen Flüchtlingszahlen und den Terrorismus schwieriger geworden ist. Bei etwa einem Drittel der in Deutschland lebenden Türkeistämmigen lassen sich fundamentalistische Auffassungen feststellen. Auch bei Muslimen sei neben der religiösen Radikalisierung eines Teils der Gläubigen dabei zugleich ein Rückgang der Religiosität bei ungefähr der Hälfte der in Deutschland lebenden Türkeistämmigen feststellbar. Trotz mancher Versäumnisse auch auf der deutschen Seite habe es aber auch Erfolge im Zusammenleben gegeben. Ein besonderes Problem liegt nach Auffassung des Referenten darin, dass – gerade nach islamischen Verständnis – die Religion für das gesellschaftliche und politische Leben eine besondere Rolle spiele, zugleich aber im Islam sehr viele höchst unterschiedliche Positionen vertreten werden und die Religion auch nicht so verfasst und organisiert ist, wie wir das von den christlichen Kirchen her kennen. Das mache beispielsweise die Ausweitung des an sich wertvollen und gewünschten Religionsunterrichtes für muslimische Schüler an unseren Schulen in deutscher Sprache und geprüfter Kompetenz so schwierig.
Dr. Blume schloss seinen mit lang anhaltendem Beifall der Zuhörer versehenen Vortrag mit einigen Vorschlägen ab, wie die Probleme zu lösen wären.
Er sprach sich dafür aus, dass wir weniger abhängig von Öl und Gas werden sollten, um diesen Macht- und Wirtschaftsfaktor einzudämmen. Er plädierte dafür, Polizei und Sicherheitsorgane zu stärken und frühzeitig gegen Radikalisierung und Terror einzuschreiten. Er warb zugleich darum, Integration, Bildung und Dialog national und international zu fördern, damit Spannungen abgebaut werden.
Für die Integration ist die Vollverschleierung von Frauen so nachteilig, dass sie unterbunden werden sollte. Wir sollten in unserem Land alles tun, um zu „deradikalisieren“, z.B. Verschwörungsglauben unterschiedlichster Art entgegentreten. Wir sollten uns für das Christentum mehr engagieren und bekennen, gerade, weil das auch die Toleranz und Dialogfähigkeit fördert. Und schließlich: Wir sollten eine aktivere Familienpolitik betreiben und alles dafür tun, dass wieder mehr Kinder in unserem Land geboren werden.
Dem Vortrag schloss sich eine muntere und sachliche Diskussion an, die vom früheren CDU-Landtagsabgeordneten, Minister a.D. Ulrich Müller, geleitet und mit einem Schlusswort versehen worden ist.

Pressemitteilung 12-12
cuhl