Quo Vadis CDU

Erstes gemeinsames Mitgliederseminar der CDU – Kreisverbände Bodensee und Ravensburg

Hohen Besuch aus Stuttgart konnten die CDU Kreisverbände Bodensee und Ravensburg für ihr erstes gemeinsames Mitglieder(referenten)seminar im Dezember gewinnen:
Die Mitgliederbeauftragte des Landesverbandes, Dr. Katrin Heinritz, war auf Einladung der Organisatoren Daniel Funke (Bodensee) und Christoph Sitta (Ravensburg) nach Bavendorf gekommen, um gemeinsam mit den Mitgliederreferenten der Orts- und Gemeindeverbände sowie weiteren Interessierten aus den beiden CDU – Kreisverbänden mögliche Strategien zur Mitgliedergewinnung und -betreuung zu erörtern. Komplettiert wurde die Teilnehmerliste durch den Kreisvorsitzenden der CDU Bodensee, Volker Mayer-Lay, sowie den Landtagsabgeordneten und CDU – Stadtverbandsvorsitzenden August Schuler, MdL, nebst seiner Zweitkandidatin und CDU –
Chefin in Tettnang, Sylvia Zwisler.

Daten und Fakten

Im Rahmen ihres von statistischen Daten und Fakten geprägten Vortrags sensibilisierte Heinritz die Anwesenden zunächst für die unabdingbare Frage nach dem Status Quo: Wie setzt sich die Partei
zusammen, welche Strukturen weist sie auf, wie wird sie von den eigenen Mitgliedern, vor allem aber auch von den Wählern und der allgemeinen Bevölkerung gesehen? Erst mit der intensiven
Aufarbeitung dieser Fragen, so Heinritz, ließe sich eine erfolgreiche Strategie der CDU für die Zukunft erarbeiten.
Eine (traurige) Ursache für sinkende Mitgliederzahlen in fast allen Verbänden der Partei wie auch für Stimmenverluste bei vergangenen Wahlen war dabei schnell gefunden: „Der CDU sterben pro
Legislaturperiode etwa eine Million Wähler weg, auch bei der Mitgliederentwicklung überwiegen häufig die Todesfälle, so daß in diesen Fällen trotz eines möglicherweise vorhandenen Eintrittsüberschusses gegenüber den Austritten im Ergebnis ein Negativtrend verzeichnet werden muss“ stellte Heinritz mit Blick auf den aktuellen Altersdurchschnitt sowohl der CDU – Mitglieder als auch deren Wählerinnen und Wähler ernüchternd fest.
Generell müsse man sich fragen, so Heinritz weiter, ob die Partei mit ihren Mitgliedern überhaupt noch den Querschnitt der Bevölkerung abbilde – sie selbst sei beispielsweise als „Frau, unter 50 Jahre, evangelisch“ leider immer noch eine Ausnahme in der CDU.
Analyse und Strategie

Freilich sei nicht alles schlecht, was die Werbung von Neumitgliedern angehe – dies zeigten nicht zuletzt sehr erfolgreiche Ortsverbände wie die CDU Langnau/Laimnau, der es gelinge, kontinuierlich neue Mitglieder vor Ort anzuwerben und diese auch zu halten – aber genau hierin liege auch die Kernaufgabe der Partei vielerorts: 30% der Neumitglieder verließen die CDU wieder nach 2 Jahren, was auf verschiedene Ursachen zurückzuführen wäre. „Enorm wichtig ist eine prompte Kontaktaufnahme, je rascher, desto besser“ mahnte Heinritz an und verwies auf Beispiele aus anderen Verbänden, wo Neumitglieder monatelang auf diese hätten warten müssen.
Die Ansprüche an politische Beteiligung sowie das Kommunikationsverhalten hätten sich zudem in den letzten Jahren deutlich verändert – die CDU müsse deshalb sowohl neue Kommunikationsformen bedienen, als auch neue Angebote für Beteiligung machen, sei dies durch neue Veranstaltungsformate (z.B. mit „Workshop – Charakter“) oder auch verstärkte Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden aus dem sogenannten „vorpolitischen Raum“. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen sollte dabei ebenso wenig zu kurz kommen, wie das Gesellige – in beiden Fällen sei bei der CDU häufig noch Optimierungsbedarf festzustellen. Auch eine „Mitgliedschaft auf Zeit“ dürfe kein Tabuthema bleiben. Ziel müsse es sein, den Parteimitgliedern einen echten Mehrwert durch ihre Mitgliedschaft zu bieten. „Mitglieder wollen mitmachen – aber anders!“ hob Heinritz abschließend hervor und machte Mut für die anstehenden Aufgaben; die CDU müsse als Volkspartei letztlich Wahlkampf um alle Wähler führen, nicht nur um bestimmtes Klientel, und den „Gestaltungsanspruch 40%+“ beibehalten. Dies sei – trotz aller Herausforderungen unserer Zeit – kein unerreichbares Ziel.

von Christoph Lüdtke

Photo:

Das Ziel klar vor Augen: Die Teilnehmer des Seminars, u.a. August Schuler, MdL (CDU –
Stadtverbandsvorsitzender Ravensburg, 1. von links), Sylvia Zwisler (CDU – Vorsitzende Tettnang,
3. von links), Dr. Kathrin Heinritz (Mitte) und Volker Mayer – Lay (CDU – Kreisvorsitzender
Bodensee, 2. von rechts)